Haleh Hosseini Ramandi
23/02/2023
Überblick über die iranische Revolution und geschichtliche Zusammenhänge
Mehr als fünf Monate sind seit den Protesten im Iran gegen die Islamische Republik vergangen und eine neue Welle an Protesten zeichnet sich ab. Nur im Rückblick auf die historischen Ereignisse kann die momentane Situation, die auch als Revolution bezeichnet wird, verständlich werden.

Reza Shah
Der Begriff ‚Moderner Iran‘ wird mit der Herrschaft des Schahs Reza Pahlavi (1925-1941) in Zusammenhang gebracht. Mit der Macht des einstigen Armeesoldaten verbinden sich sein Charisma, seine Rechtschaffenheit und seine Autorität. Als Herrscher lenkte er die Geschicke des Landes mit einer Aura voller Respekt und patriarchalisch, dennoch entgegenkommend und wohlmeinend.
Seine Nachfolge trat sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi an, der mit modernen Gedanken sein Land reformierte und modernisierte. Neben dem Augenmerk auf die Emanzipation der Geschlechter sprach er sich für eine Intensivierung der Bildungslandschaft aus. Ihm unterlief jedoch der Fehler, dass innovative Ideen und nachhaltige Reformen nur dann Fuß fassen können, wenn die Gesellschaft Offenheit und Bereitschaft zeigt. Zu dem Zeitpunkt allerdings waren die Bürgerinnen und Bürger Irans weit davon entfernt, einen Wandel in den sozialen Bereichen mitzutragen. Zu viele fundamentalistische, kommunistische und religiöse Gruppierungen behinderten einen neuen Weg.
Umschwung

Mohamadreza Pahlavi
Mohammad Reza Pahlavis härtester Gegner war Ruhollah Khomeini, der in den Reformtendenzen eine Attacke auf das islamische System sah. Seine mitreißenden Reden gegen den Schah und seine beharrliche Verteidigung der bewährten Lebensweisen bewirkten, dass sich viele Iraner aufgerufen fühlten, die gelebten Traditionen zu erhalten und zu festigen. Diese Mobilmachung endete in der Verhaftung und Exilierung von Khomeini. In dieser Periode spaltete sich das Volk. Durch den Riss in der Bevölkerung gab es in den Folgejahren immer wieder Aufruhr und Protestaktionen.
Mit dem Brandanschlag (1978) auf das Cinema Rex in der Stadt Abadan und dem brutalen Mord an 422 Menschen wuchs die Behauptung durch die Oppositionsgruppen der Marx verehrenden Kommunisten und der Islamisten, der Anschlag sei auf Geheiß des Schahs durch den iranischen Geheimdienst SAVAK verübt worden. Als Wahrheit allerdings offenbarte sich erst viel später, dass dieses Attentat auf Anordnung der Führers Ruhollah Khomeini erfolgte. In diesem Gewaltstreich mussten Unschuldige ihr Leben lassen, um die Krawalle im Staat anzufeuern.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die islamische Revolution bereits eine hohe Aktivitätsstufe erreicht. Die finale Entmachtung des Schahs Mohammad Reza Pahlavi datiert man auf den 16. Januar 1979. Damit endete die Monarchie im Iran und der Schah musste sein Land für immer verlassen.
Historische Schritte ab 1979
Die anarchische Lage im iranischen Staat gipfelte Ende März 1979, als die geistlichen Führer einen Volksentscheid zur islamischen Republik durchführten. Das Ergebnis der Wahl falsifizierte der deutsche Botschaftsangehörige Gert Strenziok in einem Kommentar. Am Folgetag der Abstimmung hätte noch vor der vollständigen Auszählung der Stimmen Khomeini die islamische Republik vom Ort seiner Residenz in Qom verkündet. Die Bekanntgabe der Zahlen durch das Innenministerium sei mit 18 Mio. Wahlberechtigten, einer Wahlbeteiligung von 98 Prozent mit 97 Prozent Ja-Stimmen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit falsch.
Ein weitreichendes Ereignis geschah am 4. November 1979, als in Teheran iranische Studenten die US-Botschaft besetzten und Geiseln nahmen. Ihr Protest galt den USA, die den Schah Mohammad Reza Pahlavi als Exilant aufgenommen hatten. Die amerikanischen Politiker verhängten unvermittelt Sanktionen gegen den Iran. Erst nach mehr als 14 Monaten konnte die Geiselnahme am 20. Januar 1981 durch die Gegenleistung eines Geldtransfers beendet werden. Khomeini hatte die erhofften Gelder bekommen und kommentierte die Freilassung der Geiseln: „Jetzt brauchen wir sie nicht mehr!“
Eine vollständige Führungsübernahme und Herrschaft waren zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht erreicht. Die Zusicherung der Freiheit verwandelte sich in groß angelegte Massenverhaftungen, bei denen Exekutionen nicht ausgeschlossen waren. Sadegh Khalkhali avancierte zum berüchtigten, gefürchteten und skrupellosen Scharfrichter von Teheran. Sein überliefertes Zitat besagt, dass ein Richter im Islam ausschließlich die Korangesetze kennen muss und somit in allen Konfliktfällen Recht sprechen kann. So kann es ihm gelingen, zwanzig unterschiedliche Rechtsprozesse an nur einem Tag zu richten und abzuhaken. Die Jurisprudenz im Westen brauche für Urteile hingegen viele Jahre.
Diese Aussage offenbart nicht nur die Unzulänglichkeit, sondern auch das Gutdünken der Rechtsprechung vom islamischen Regime. Diese Ansicht verdeutlicht die Tendenz des Mullah Regimes. Es sicherte sich die absolute Macht und seit diesem Zeitpunkt sind Themen, wie z. B. Frauenrechte oder Fortschritt, undenkbar.
Hintergründe
Während die Protestaktionen im Iran und in anderen Ländern zum Tod von Mahsa Amini nur ein winziger, sichtbarer Teil der Revolten sind, kocht es seit Dekaden, seitdem die zivilen Organisationsbereiche eine sukzessive Disruption erleiden, im Verborgenen. Es mutet wie Sarkasmus an, wenn man behauptet, dass die Taten des geistlichen Mullah Regimes das iranische Volk möglicherweise intensiver wachgerüttelt haben, als es die Monarchie je hätte bewirken können.
Aktuell werden die Forderungen des Kronprinzen Reza Pahlavi laut, eine Demokratie und einen säkularen Staat zu schaffen. Ein Oppositionsbündnis wurde durch ihn zur Unterstützung seines Volks mit dem Ziel gegründet, das Mullah Regime endgültig zu stürzen. Es bleibt fraglich, ob er mit Hilfe des iranischen Volkes das Leck geschlagene Staatsyacht an einer sicheren Bucht ankern kann, um einen demokratischen Staat zu kreieren.